• elocina

Wer spricht denn da?

Aktualisiert: März 7


Wer kennt sie nicht – die Stimme aus dem Off? Permanent läuft ein innerer Monolog ab, der so ziemlich alles bewertet, was du gerade tust, getan hast oder vielleicht tun wirst. Vieles, was du passiv (durch Aussagen anderer) oder aktiv (durch eigene Erfahrungen) erlebt hast, wird abgespeichert.


Das Gehirn von Menschen mit hoher Sensibilität hat eine ganz spezielle Arbeitsweise und speichert mehr Reize ab. Diese Reize werden oft in groß angelegten Assoziationsnetzwerken verknüpft. Je nachdem, wie die Erfahrungen bisher bewertet worden sind, bilden sich auch die Netzwerke und Assozitationsketten aus. Weil das menschliche Gehirn als oberstes Prinzip die Sicherstellung des Überlebens verfolgt, werden potenzielle Gefahren innerhalb der Netzwerke sehr schnell erkannt. Darum sind Gedanken, die das eigene Überleben sichern auch viel schneller im Bewusstsein, als schöne angenehme Gedanken.


Vor allem hochsensible Kinder sind darauf angewiesen, dass ihr soziales Umfeld darüber Bescheid weiß, welche Tragweite ihre Aussagen oder emotionalen Bewertungen bei Kindern haben. Denn Kinder haben keinerlei Referenzgröße, um diese zu reflektieren und glauben so ziemlich alles, was man ihnen erzählt. Wächst ein Kind nun in einer Umgebung auf, in der alles eher negativ bewertet wird und alle Gefahren des Lebens aufgezählt werden, entsteht erstmal Angst und daraus dann Assoziationsnetzwerke, die permanent auf Gefahren hinweisen.


Es spielt dabei keine Rolle, ob das Kind dabei direkt angesprochen wird. Kinder hören alles, auch wenn Erwachsene sich untereinander oder über das Kind unterhalten, dass vielleicht 2 Meter daneben gerade mit spielen beschäftigt ist. Und aufgrund der besonders hohen Sensibilität haben die Eltern meiner Meinung nach die Pflicht, sich mit dem Wesen Hochsensibler bzw. von Kindern an sich zu beschäftigen, um Schaden zu vermeiden oder zu korrigieren.


Im gelebten Alltag kommt das leider noch viel zu kurz. Gerade wenn Kinder schon früh dazu erzogen werden, sich den elterlichen Bedürfnissen zu beugen und die eigene Emotionalität auf ein Minimum zu beschränken, bestehen hohe Chancen, dass Entwicklungstraumata entstehen. Da Kinder ihren Eltern loyal gegenüber sind und deren Aussagen als Wahrheit in sich aufnehmen, kann es zu äußerst ungünstigen Entwicklungsbedingungen führen.


Irgendwo habe ich mal gehört, dass man sich selbst so behandelt, wie man früher von der eigenen Mutter behandelt worden ist (oder der nächsten Bezugsperson). Die Stimme aus dem Off ist also oft ein Konglomerat dessen, was von der eigenen Mutter gesagt, getan oder emotional übertragen worden ist. An sich ist das von der Natur eine sehr gute Erfindung. Denn prinzipiell kann man natürlich davon ausgehen, dass Müttern daran gelegen ist, dass es dem eigenen Nachwuchs gut geht und sie dafür eintreten, dass die psychische und physische Gesundheit des Kindes gefördert wird. Das setzt aber voraus, dass die Mutter mit sich selbst halbwegs im grünen Bereich ist und sich nicht davon bedroht fühlt, wenn das eigene Kind einmal nicht so will, wie sie. Kinder sind (vor allem im frühen Alter) auf die emotionale Regulierung durch ihre Mutter angewiesen, weil sie es selbst noch nicht können.


Eine sich als selbstwirksam wahrnehmende Mutter mit Selbstvertrauen und einer gesunden Einstellung zu sich und ihrem Umfeld ist also eine gute Voraussetzung, dass ihre Kinder in sich selbst eine mütterliche Stimme entwickeln, die sie unterstützt, trägt und aktives Handeln erleichtert. Mütter, die vielleicht unter schweren Traumatisierungen leiden, sich selbst verurteilen oder Kinder nicht in ihrer Kindlichkeit verstehen können, sind selten in der Lage, die emotionale Regulation für sich und das Kind zu übernehmen. Emotionale Ausraster, psychische oder physische Angriffe auf das Kind können dann die Folge sein. An dieser Stelle möchte ich dringend noch sagen, dass es komplett menschlich ist, das Eltern manchmal emotionale Ausbrüche haben. Der fatale Fehler besteht erst darin, Kinder in dem Glauben zu lassen, dass sie die ursächliche Schuld für die Situation tragen, keine Korrektur stattfindet oder sogar mit Liebesentzug bestraft wird.


Wenn das dann zur alltäglichen Praxis wird, setzt sich ein Kreislauf in Gang, der jedem Kind erspart bleiben sollte. Denn es lernt, dass die emotionale Kommunikation zur Mutter oft darin besteht, gedemütigt oder bestraft zu werden. Es bildet sich also ein Netzwerk, dass emotionale Zuwendung mit physischer oder psychischer Schädigung verknüpft. Die Stimme aus dem Off, die eigentlich in schwierigen Zeiten beistehen sollte, führt eher zu noch mehr Angst, Selbstverurteilung und kann sogar in Selbstverletzung münden.


Was können Mütter tun, wenn sie bemerken, dass die eigene Stimme aus dem Off ihnen selbst und vielleicht auch den eigenen Kindern schadet? Es ist noch alles lenkbar, wenn dieser erste Schritt der Einsicht erfolgen kann und Hilfe gesucht wird. Keine Mutter darf dafür verurteilt werden, wenn sie aus Liebe zu sich und ihrem Kind Hilfe in Anspruch nimmt! Es gibt sehr viele Angebote die nutzbar sind, um Bewältigungsstrategien zu erlernen, Traumata zu bearbeiten und eine liebevolle innere Stimme zu etablieren. Das ist ein Prozess, der Unterstützung erfordert und einer der größten Liebesbeweise an das eigene Kind und sich selbst ist. Ganz sicher kommen dadurch auch einmal alte familiäre Strukturen ins Wanken.


Anmerkung: Auch wenn ich hier die ganze Zeit von Müttern als erster Bezugsperson geschrieben habe, so gilt natürlich, dass es sich dabei auch um Väter, Großeltern, oder anderen Menschen handeln kann!





0 Ansichten
Weitere Infos gibts auf
  • Youtube
  • Instagram
  • Facebook

© 2020 by elocina

Proudly created with Wix.com