• elocina

Was sind "Fehler" für dich? - Wie der Sozialisationsprozess unsere Wahrnehmung beeinflusst

Aktualisiert: Okt 1

Sind es Makel an deinem Leben oder eher Chancen, um an ihnen zu wachsen? Versuchst du, sie zu verstecken oder gehst du offensiv mit ihnen um? Viele Menschen haben einen Hang zur Perfektion und können schlecht damit leben, Fehler zu machen oder sich diese einzugestehen. Andere wiederum nutzen sie, um aus ihnen zu lernen und positive Konsequenzen daraus zu ziehen.Welche Faktoren bedingen, was wir als Fehler bewerten und wie wir sie anschließend handhaben?


Fehler sind zunächst einmal menschlich. Wenn Kinder auf die Welt kommen, bestehen die ersten Jahre ihres Lebens daraus, Fehler zu machen. Sie haben ja keine Anleitung mitbekommen, wie die Welt funktioniert (dieser Lernprozess setzt sich bis zum Lebensende fort). Also lernen Kinder mühevoll, dass es offensichtlich in Ordnung ist, auf einem DIN A4-Blatt zu malen, Wände und Tapeten aber tabu sind.


Die Reaktion des Umfelds entscheidet

Was nun aber passiert, wenn die Wand doch mal etwas Farbe abbekommen hat, ist ganz unterschiedlich. Es hat elementare Auswirkungen darauf, wie diese Unannehmlichkeit abgespeichert wird und beeinflusst so zukünftige Handlungen. Die Reaktion vom Umfeld entscheidet! Vielleicht hat klein Thea Glück, ihre Bezugsperson setzt sich leicht lächelnd neben sie, betrachtet das Kunstwerk an der Wand, fährt klein Thea sanft über den Kopf und sagt: „Weißt du, das hast du fabelhaft gemalt, aber es wäre trotzdem schöner, wenn du zukünftig auf deinem Blatt malen würdest.“ Kein Drama, kein Stress, kein Trauma.


Trauma durch falsche Reaktion

Anders würde es aussehen, wenn die Bezugsperson kreischend auf klein Thea zugerannt käme und sie lautstark angefahren hätte. Vielleicht hat klein Thea auch so viel Pech, dass ihr noch die Stifte entrissen werden, sie einen Klaps auf den Hintern bekommt und für eine Weile mit Schweigen und einem bitterbösen Blick bestraft wird. Im allerschlimmsten Fall wird dieses Vorkommnis noch in der ganzen Familie herumerzählt und jeder straft klein Thea noch einmal extra mit einem Vorwurf. Dann hat die Kleine auf jeden Fall gelernt, dass Fehler absolut inakzeptabel sind, emotionaler liebevoller Kontakt flöten geht und zukünftig möglichst vorsichtig reagiert werden sollte.


Ersteres Szenario vermittelt, dass es in Ordnung ist, wenn mal ein kleiner Fehler unterläuft. Es wird mit Verständnis und emotionaler Wärme geantwortet. Trotzdem versteht klein Thea, dass zukünftig ein anderes Verhalten gewünscht wird und geht gestärkt aus der Situation hervor. Beim zweiten Szenario wird gleich das ganze Kind grundlegend verurteilt und verunsichert. Es findet eine (für ein Kind existenziell bedrohliche) Bestrafung statt. Liebesentzug und harte Bandagen werden vielleicht dazu führen, dass klein Thea öfters lethargisch herumsitzt und sich nichts mehr traut. Denn die Angst vor einer erneuten Zurechtweisung ist viel größer, als jede Neugierde am Leben.


Sozialisationsprozess hat Einfluss auf Umgang/Bewertung von Fehlern

Es ist (im Kindesalter) entscheidend, was vom Umfeld als Fehler bewertet wird und welches Verhalten darauf folgt. Darüber hinaus bestimmten historische, religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Normen, Werte und Gesetze, was Fehler sind und wie mit ihnen umgegangen werden sollte. Angst vor Strafe ist leider oft das legitime Mittel, um angepasstes Verhalten zu fördern und Fehler zu vermeiden.


Im Alltag kann man gut erkennen, was Fehler konkret für einen bedeuten und welche Schlussfolgerungen sich ergeben. Einige Menschen haben Zurechtweisungen als so lebensbedrohlich empfunden, dass jede Chance auf Weiterentwicklung zugunsten der Angepasstheit ungenutzt bleibt. Man bewegt sich in sicheren Sphären, aber das Leben zieht förmlich an einem vorbei. Andere nehmen vielleicht immer wieder neuen Anlauf, um sich selbst zu verwirklichen. Jedes Mal lernen sie etwas Positives aus ihren vermeintlichen Fehlschlägen und werden langfristig ihre Ziele erreichen. Sie würden ihre Fehler nicht als solche bezeichnen, sondern vielleicht eher von „wichtigen Erfahrungen“ sprechen.


Wenn man die Kindheit hinter sich gelassen hat, sollte man sich des Öfteren fragen, ob der praktizierte Umgang mit Fehlern nützlich oder schädlich ist. Wie sagte Marc Aurel so schön: "Man bereut nie, was man getan hat, sondern immer, was man nicht getan hat." Und schon das allein sollte ein Grund sein, Fehler in "Erfahrung" umzunennen und sie als hilfreiche Weggefährten wahrzunehmen.


© 2020 by elocina

Proudly created with Wix.com

Weitere Infos gibts auf
  • Instagram
  • Facebook