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Was du von Panikattacken lernen kannst

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Neulich war ich auf einer Feier in einem Dorf in der Nähe eingeladen. Dort traf ich auf eine Frau Mitte 40, welche mir erzählte, dass sie schon seit ein paar Jahren unter Panikattacken litt.


Diese hatten ihr das Arbeiten in ihrem Job immer weiter erschwert, bis sie irgendwann krank zuhause saß und weder ein noch aus wusste. Bisher hatte nichts geholfen, um (unter Anderem) die bleierne Schwere von der Brust zu nehmen, die ruhiges Atmen zu einem Ding der Unmöglichkeit werden ließ. An einen entspannten Alltag war nicht mehr zu denken.

Durch die Krankschreibung wurde es nicht viel besser, aber ein wenig erträglicher. Moderne Medikamente helfen manchmal, die Panik etwas weniger spürbar werden zu lassen. Alkohol und Zigaretten als zusätzliche Beruhigungsmittel sind nicht gesundheitsfördernd, aber in so einer schweren Zeit schnell greifbar und gesellschaftlich toleriert.


Spätestens, als die Krankschreibung nicht mehr verlängert wurde und der Weg zur Arbeit wieder anstand, gingen die Panikattacken in üblich hoher Intensität weiter.

Erwartungsdruck macht krank

„Aber wenn dir doch dein Körper ganz deutlich zeigt, dass der Job nicht der Richtige für dich ist, warum änderst du dann nichts daran?“, fragte ich. Natürlich kenne ich die Antworten schon, denn auch ich habe viele Erfahrungen mit Trott, Glaubenssätzen, Ängsten und Erwartungshaltungen gemacht.


„Ich muss ein Haus abbezahlen. Meine Kinder - du glaubst nicht, wie viel Geld sie kosten. Der Job ist zwar grauenhaft, aber sicher und gut bezahlt. Außerdem kann ich hier auch nicht weg, denn ich habe Verpflichtungen anderen Menschen gegenüber“, waren die Antworten meines Gegenübers.


„Puuuh“, dachte ich. Was für ein Druck! Jeder hätte Mühe, bei diesem Pensum psychisch und physisch gesund zu bleiben. Vor allem jene mit einem hohen Maß an Sensibilität.

„Du wirst deinen Job ja aber niemals durchhalten! Wenn du dich so auf Arbeit quälst, dann wirst du in ein paar Monaten wieder eine Krankschreibung brauchen“, entgegnete ich. „Ja, ich weiß. Aber kündigen kann ich nicht“, war die Antwort.


So drehten wir uns noch eine Weile im Kreis zwischen verschiedenen Optionen, die theoretisch möglich wären, aber praktisch „niemals realisierbar“ seien.


Erwartungen loslassen lernen

Ich bin in einer glücklichen Lage. Ich habe kein Haus abzubezahlen, noch keine Kinder und auch sonst keine größeren finanziellen Verpflichtungen, die mich an einen Job binden würden.


Außerdem habe ich gelernt, dass Erwartungshaltungen anderer eben Erwartungshaltungen anderer sind und mich nicht beeinflussen sollten. Ich kenne mich gut, weiß um meine Stärken und Schwächen und habe gelernt, dass ich zuerst einmal mir selbst gegenüber verpflichtet bin.


Es ist pures Glück, die Zeit und Unterstützung zu haben, um sich selbst kennenzulernen, auch wenn das mit Krisen, Unannehmlichkeiten und Neuorientierung einhergeht!

Darum habe ich großes Mitgefühl mit jenen, die sich über einen langen Zeitraum etwas aufgebaut haben, zum Wohle ihres Umfeldes zuverlässig funktionierten und dann in eine große Krise stürzen.


Spätestens dann verstehen sie die Welt nicht mehr und haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Diese Menschen hatten bis dato nicht den Impuls erhalten, ihr Tun zu hinterfragen und sich selbst kennenzulernen.


Natürlich sind sie selbst für ihre Entscheidungen verantwortlich. Dennoch darf nie vergessen werden, unter welchen (sozialen) Bedingungen ein Mensch lebt.


Wenn es nun bei uns im Dorf die einzig tolerierte Lebensweise darstellt, ein Haus zu besitzen, Kinder zu haben, verheiratet zu sein, auf ewig durchzuhalten und niemals Schwäche zu zeigen, dann erzeugt dies hohe Erwartungen und lässt wenig Spielraum für Alternativen zu.

Erschwerend kommt hinzu, dass man im ländlichen Bereich auf wenig Verständnis und Hilfe in solch schweren Zeiten trifft, sondern teilweise belächelt oder gar verunglimpft wird. Das erzeugt emotionale Einsamkeit und Hilflosigkeit und bereitet den Weg in unvorstellbares Leid, das vermieden werden könnte.

Du kannst dich ändern, wenn du möchtest

Darum möchte ich allen Menschen, deren Körper unmissverständlich anzeigen, dass das Fass übergelaufen ist, Folgendes sagen: Ich wünsche euch so viel Kraft, Mut, Geduld, sozialen Zuspruch und Hilfe wie ihr benötigt, um das Leben zu finden, das euch wirklich entspricht!


Auch wenn das bedeutet, Altes aufzugeben und sich ins Unbekannte zu stürzen. Ihr seid nicht allein, sondern trefft täglich auf Leute, denen es ganz ähnlich geht.

In jedem Ende steckt ein Anfang!


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