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In kleinen Schritten das Leben meistern

Aktualisiert: Okt 1

Turbulente Zeiten zeigen es immer wieder auf: langfristige Planungen sind häufig sinnfrei, denn sie berücksichtigen nicht die kleinen und großen Überraschungen des Lebens. Aus irgendeinem Grund glauben viele Menschen, ihr gesamtes Leben im Voraus detailliert planen zu können.


Sie haben dann große Probleme, wenn es mal nicht so läuft, wie gewünscht. Es wird uns ja auch irgendwie vermittelt, dass dieser Denkansatz richtig ist, denn unser gesellschaftliches Leben ist darauf aufgebaut. Es ist durchaus sinnvoller, den großen Plan fürs Leben so grob wie möglich zu halten und lieber kleine Schritte zu gehen.


Zufriedenheit = Glück?

Wäre ich zufriedener, wenn ich in einem abbezahlten Haus wohnen, Geld wie Heu und eine gesicherte Rente haben würde? Wenn ich alle erdenklichen Versicherungen abgeschlossen hätte und mein Körper immun gegen alle Krankheiten dieser Welt wäre? Zufriedener womöglich, aber glücklich?...


Welchen Preis bezahle ich und welche Freiheiten bin ich bereit aufzugeben, um diese Sicherheit versprechenden Annehmlichkeiten zu erhalten? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die meisten von uns einer seltsamen Illusion von Sicherheit und Unsterblichkeit hinterherrennen. Oft leben und arbeiten wir für eine Zukunft, deren Eintreten kein einziger Mensch dieser Welt vorhersagen kann, aber deren Verheißung uns zu Höchstleistungen, perfektionistischen Verhaltensweisen und sturer Geradlinigkeit antreibt.


Warum Zukunftsdenken schaden kann

Das kann gut am Beispiel der Rente verdeutlicht werden: man verspricht uns, dass wir einen umso höheren Anspruch auf Rente haben, je mehr wir arbeiten und je besser wir verdienen. In der Vergangenheit und aktuell funktioniert das irgendwie. Der Preis ist, dass viel Lebenszeit im Job hängenbleibt. Wenn es der Traumjob ist, dann ist das super. Ich höre die meisten Menschen aber nörgeln, dass der Job keinen Spaß macht und sie auslaugt. Und im selben Atemzug höre ich: "Aber ich muss ja, denn ich muss an meine Rente denken!".


Einige dieser Leute sind nicht viel älter als ich. Bei dem Arbeitspensum, dem Stress und den zunehmenden körperlichen und psychischen Beschwerden, die aufgrund des Leistungsdrucks entstehen, bezweifle ich stark, dass sie das Rentenalter überhaupt erreichen. Außerdem ist nicht sicher, dass das derzeit existierende Rentensystem dann noch funktioniert bzw. genug für Rentner abwirft. Die Zukunft ist so ungewiss. Wir sollten uns mehrmals überlegen, ob eine versprochene aber äußerst wackelige Sicherheit uns wichtiger ist, als die Gewissheit, dass wir den jetzigen Moment der tatsächlich existiert so schön und bedürfnisgerecht wie möglich zu gestalten. Denn der Moment ist echt, die Zukunft fiktiv.


Ein „sicheres“ Leben hat immer auch Nachteile, die so oft vergessen werden. Was ist denn, wenn sich auf der Hälfte der Strecke meine Ansichten und Bedürfnisse verändern? Es ist doch das menschlichste auf der Welt, dass persönliche Entwicklungen stattfinden, die zu neuen Ufern führen. Ist es dann tatsächlich sinnvoll, wenn man die alten Gewohnheiten beibehält, um dem eigenen Lebensplan unhinterfragt und beinahe zwanghaft Folge zu leisten?


Dem Leben vertrauen lernen

In den letzten Jahren habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass sich immer alles fügen wird. Manchmal ist es etwas anstrengend und dann wieder entspannnt, mal schön und mal weniger angenehm. Das ist Lebendigkeit. Wenn ich so Pi mal Daumen abschätzen kann, was ich in den nächsten Tagen in Angriff nehmen will und ganz grob weiß, wie ich in den nächsten ein bis zwei Jahren mein Leben verbringen möchte, dann ist das super. Dann habe ich eine realistische Chance, die Überraschungen des Lebens zu integrieren, daraus zu lernen und mich weiterzuentwickeln.


Pläne sind Momentaufnahmen

Und Pläne sind auch immer ein Konglomerat aus Wünschen, Einstellungen und äußeren Gegebenheiten. Es sind Momentaufnahmen. Und da jeder Moment einzigartig ist, sollten längerfristige Pläne öfters mal auf Tauglichkeit geprüft werden. Ich kenne soviele Leute, die sich ihren Traum erfüllt haben und jetzt feststellen, dass zu ihrem Glück doch noch etwas sehr Wichtiges fehlt. Mal ist es der abbezahlte Kredit fürs Haus, mal ein sicherer Job für die Kinder, der offensichtlich fehlt, um endlich entspannt und glücklich sein zu dürfen. Das Geheimnis ist, dass das Glück auch danach nicht automatisch kommen wird, aber das wissen die Wenigsten.


Kleine Schritte und grobe Pläne

Ich übe mich täglich darin, jeden kleinen Schritt in meinem Leben bewusst und möglichst mit Freude zu gehen. Glück ist mehr im Prozess zuhause, als ein dauerhafter Zustand (der sich erst nach langer Plackerei einstellt). Wenn sich langfristig herausstellt, dass mein grober Fahrplan nicht mehr zu meinen Ansichten und Bedürfnissen passt, gestalte ich ihn sehr gerne neu. Ich muss weder mir, noch sonst jemandem beweisen, dass ich stark und ausdauernd genug bin, um sich als unangenehme aufzeigende Situationen dauerhaft auszuhalten.


Kleine Schritte sind entspannte Schritte. Je entspannter wir sind, desto mehr Freude können wir entwickeln und desto mehr Ressourcen bauen wir auf, um flexibel auf die Überraschungen des Lebens reagieren zu können. Dann weichen Ängste und Sorgen dem Gefühl von Selbstwirksamkeit und Zuversicht.





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