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Emotionale Einsamkeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Die aktuelle Krise hat vielleicht auch noch andere Opfer hervorgebracht, als unsere Statistiken vermuten lassen. Neben den tatsächlich Erkrankten gibt es eine große Gruppe von Menschen, die durch die Regelungen verstärkt emotionale Einsamkeit erfahren haben und weiterhin erfahren.

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Sinnhaftigkeit der Regelungen werten. Ich frage mich nur, welche „unsichtbaren“ Schäden die soziale Distanzierung bei uns Menschen hinter-lässt. Denn physische Unversehrtheit ist nicht das einzige Merkmal für Gesundheit und Wohlbefinden.


Ist emotionale Einsamkeit neu?

Einsamkeit ist kein Phänomen, das durch Abstandsregeln verursacht wurde, aber dadurch eine größere Tragweite bekommen hat. Es wird immer Menschen geben, die sich alleingelassen fühlen – dennoch finde ich, dass die emotionale Kälte gesamtgesellschaftlich zugenommen hat.


Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Jahre und aktuell so anschaue, habe ich nicht das Gefühl, dass wir gesellschaftlich zusammen-gerückt sind. Positive Trends sind aber, dass es eine wachsende Gruppe derer gibt, die nach-haltiger leben und ihr Verhalten sich selbst und der Umwelt gegenüber hinterfragen.

Einsam zu sein, heißt, sich einsam zu fühlen

Selbst wenn ein soziales Umfeld vorhanden ist, muss man sich nicht automatisch mit den Menschen verbunden fühlen. Vielleicht gibt es zwischenmenschliche Spannungen oder komplett inakzeptables Verhalten. Dann werden Geborgenheitsgefühle kaum eine Chance haben, zu wachsen.

Ich bin dankbar, dass ich von Menschen umgeben bin, in deren Gesellschaft ich alles sagen kann, was ich sagen möchte. Das heißt nicht, dass jeder meine Meinung vertritt und darf auch niemand verlangen. Gesunder Respekt vor den Einstellungen und Gefühlen anderer ist eine Kernkompetenz, die für das Entstehen von Verbundenheitsgefühlen unabdingbar sind und einen Schritt aus der emotionalen Isolation darstellen.

Emotionale Einsamkeit ist ein Phänomen, das größtenteils einfach aufzulösen wäre, wenn es genug Bestrebungen in diese Richtung gäbe. Menschen sind soziale Wesen, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Wir brauchen einander, vor allem in Krisenzeiten.


Was tun gegen emotionale Einsamkeit?

Aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass wir uns zuhören, aufgeschlossen bleiben und versuchen, unsere Mitmenschen zu verstehen. Die Haltungen vieler Menschen entstammen dem Gefühl, nicht richtig zu sein, sich anpassen zu müssen oder Erwartungen zu erfüllen aus Angst vor Gegenwind.

Und so ist das Gefühl der emotionalen Einsamkeit sowohl Ursache als auch Folge einer Gesellschaft, in der viele Menschen über zu wenige Ressourcen verfügen, um sich liebevoll um sich und ihre Mitmenschen zu kümmern.


Dennoch hoffe ich, dass wir irgendwann dazu in der Lage sein werden, dieses isolierende Gefühl hinter uns zu lassen und eine Gesellschaft gestalten, in der Zwischenmenschlichkeit im Vordergrund steht.


Es wäre förderlich, wenn wir wieder miteinander auf Augenhöhe kommunizieren lernen, zu unseren Fehlern und Schwächen stehen. Unsere Menschlichkeit ist doch genau dadurch geprägt, dass wir nicht perfekt sind. Wir könnten lernen, uns vor anderen zu öffnen und sie um Hilfe bitten, wenn wir sie brauchen. Dann hat emotionale Einsamkeit keine Chance.

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