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Beruflich hoch hinaus?!

Aktualisiert: Feb 17

Das Berufsleben ist gerade für Menschen mit einer besonders hoher Reizempfindlichkeit eine Herausforderung. Sei es der Umgang mit Kolleg*Innen, Klient*Innen oder die Arbeitsumgebung an sich. Viele Vorgesetzte wissen selbst nicht, wie es sich anfühlt, sensibel zu sein. Für dich bedeutet das, dass du Aufklärung leisten solltet, damit die eigenen Grenzen gewahrt bleiben. Sonst läufst vielleicht Gefahr, abzustumpfen, auszuhalten oder krank zu werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man generell nicht auf taube Ohren stößt, sondern Neugierde und Verständnis geweckt werden. Aber sicher gibt es, was das betrifft, Unterschiede.


Das personelle Arbeitsumfeld

Sowohl Vorgesetzte als auch Kolleg*Innen sind oft dankbar, wenn man von Beginn an mit offenen Karten spielt. Hochsensibilität, Krankheiten oder Behinderungen sind nichts, was den Wert eines Menschen schmälern. Sensibilität birgt ungeheure Potenziale. Manche Menschen haben die Fähigkeit, genau auszuloten, welche Konflikte innerhalb des Kollegiums bestehen. Einige können die Tragweite bestimmter Entscheidungen sehr präzise vorhersehen. Das sind alles Eigenschaften, die für den Erfolg eines Unternehmens wichtig sind. Dann ist es doch nur fair, wenn alle Kolleg*Innen Bescheid bekommen, wie sie mit dir umgehen sollten, damit es dir gut geht, oder? Vielleicht ergibt sich so die Möglichkeit, dass du deine Jobbeschreibung so anpassen kannst, dass du dem Wohlfühlbereich näher kommst.

Für mich bedeutet das beispielsweise weniger direkte Öffentlichkeitsarbeit, dafür gern mehr organisatorische Aufgaben. Und noch etwas am Rande: wenn du mit deiner Sensibilität auf Unverständnis stößt und belächelt werden solltet, dann ist es ratsam, den Job zu wechseln. Denn langfristig wird dir das nicht gut tun.

Darauf solltest du achten:

- Kolleg*Innen und Vorgesetzte über Reizempfindlichkeit informieren

- prüfen, ob du dich überwiegend im Kollegium wohlfühlst

- latent wirkende aber für dich spürbare Unstimmigkeiten ansprechen

- Grenzen konsequent verteidigen

- Arbeitsinhalte in Absprache verändern


Das räumliche Arbeitsumfeld

Wer von euch arbeitet gern in einem überfüllten Großraumbüro? Für mich wäre das eine absolute Katastrophe. Je nachdem, worauf du besonders stark reagierst, solltet du auch dein räumliches Arbeitsumfeld modifizieren. Vielleicht kannst du am besten in einem ruhigen Büro arbeiten, wo du allein bist. Immer mehr Arbeitgeber bieten die Möglichkeit an, im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Dafür solltest du prüfen, ob es dir gelingt, Berufliches und Privates trennen zu können. Denn sonst kannst du leicht entgrenzt werden.

Darauf solltest du achten:

- räumliches Arbeitsumfeld nach Störquellen durchsuchen (z.B. laute Geräusche)

- prüfen, ob eine Homeoffice-Tätigkeit für dich infrage kommt

- evtl. persönliche Gegenstände am Arbeitsplatz platzieren (das wirkt Sicherheit schenkend) - Hinweise anbringen, die Kolleg*innen zeigen, das du gerade etwas Ruhe benötigst


Arbeitsinhalt und -zeit

Jeder hat andere Interessen. Ich kenne besonders viele sensible Menschen, die eine Affinität zu Kunst haben und eine berufliche Tätigkeit ausüben wollen, die Sinn verspricht. Mein Partner hat einmal liebevoll zu mir gesagt: „Wenn du nicht immerzu in deinem Job einen Sinn suchen, sondern ihn einfach wegen des Geldes machen würdest, hättest du viel weniger Probleme.“ Hm, das stimmt zwar, aber ich habe nun einmal einen gewissen Anspruch an meine berufliche Tätigkeit. Ich kenne ganz viele Menschen, die ihren Job aushalten, weil sie Geld verdienen müssen. Über die Jahre entwickelt sich so eine spürbare Unzufriedenheit, die dann irgendwann im Zusammenbruch endet. Das kann nicht die Lösung sein! Bitte achte bei der Wahl deines Jobs darauf, dass er überwiegend Freude bereitet. Sicher wird es immer turbulente Zeiten geben, aber du solltest immer darauf achten, dass dein Akku niemals aufgebraucht wird!

Einige Fragen, die du dir stellen könntest:

Sei ehrlich zu dir: macht dir der Job überwiegend Freude?

Kennst du all deine Interessen – auch wenn sie vielleicht unkonventionell sind?

Hast du die Möglichkeit, deine Interessen in die Arbeit einzubringen?


Ein anderer wichtiger Punkt ist die Arbeitszeit. Einige Menschen mit Reizempfindlichkeit haben Probleme damit, Vollzeit arbeiten zu gehen. Denn das bedeutet, dass weniger Zeit zur Regeneration zur Verfügung steht, die dringend benötigt wird. Manche kommen damit gut zurecht, viele werden langfristig krank. Überlege dir, wenn es große Mühe macht, voll arbeiten zu gehen, ob du Alternativen findest. Eventuell geht es dir besser, wenn du an deinem Lebensstandard etwas schraubst, damit du auch mit weniger Geld auskommen könntest? Das Arbeitsvolumen wäre dann weniger und es bleibt mehr Zeit zur Erholung. An dieser Stelle ist mir wieder ganz wichtig: Deine Arbeitszeit sagt nichts über deinen Wert aus! Ich habe so oft erlebt, das mich Leute schräg anschauten, als ich sagte, dass ich nicht Vollzeit arbeiten gehen will. Es ist deine persönliche Entscheidung! Lasst dir da von niemandem reinreden :).

Einige Fragen, die du dir stellen könntest:

Bleibt dir bei dem gewählten Arbeitszeitmodell genug Zeit zur Regeneration?

Besteht die Möglichkeit, das Arbeitsvolumen deinen Bedürfnissen anzupassen?

Kannst du kleine Regenerationsphasen in den Arbeitsalltag integrieren?

Gibt es Möglichkeiten, Weiterbildungen zu absolvieren, damit du bedürfnisorientiertere Aufgaben übernehmen könntest?

Erreichbarkeit und Entgrenzung Ich kenne kaum einen Menschen, der kein Smartphone besitzt. Ich habe sogar zwei davon. Ein privates und ein dienstliches. Dann habe ich noch zahlreiche Whatsappgruppen, auch ein paar dienstliche sind dabei. Ich bin also theoretisch rund um die Uhr erreichbar. Praktisch gibt es natürlich Regeln, damit alle Kolleg*Innen ihren wohlverdienten Feierabend genießen können, ohne gestört zu werden. Ich kenne aber auch Leute, bei denen klingelt das Diensthandy auch am Wochenende oder im Urlaub. Das ist großer Mist, denn so kommt man nie zur Ruhe. Einige checken während des Feierabends auch unentwegt ihre Mails. Vielleicht hat man auch noch Pech und Kolleg*In/Kund*In/Patien*In kennt den Wohnort und schneit mal schnell vorbei. Dann droht Entgrenzung, also eine Vermischung von Arbeits- und Freizeit. Und das wiederum führt dazu, dass sich sicher geglaubte Erholungsphasen in Luft auflösen und langfristig Erschöpfungszustände entstehen.

Besteht dann noch eine erhöhte Reizempfindlichkeit, dann dauert es mitunter gar nicht lange von der Entgrenzung hin zur Erschöpfung. Ich denke da nur an das Pflegepersonal. Ich habe meine Bachelorarbeit über Entgrenzung im Altenpflegebereich geschrieben. Die Reizempfindlichkeit der Pfleger*Innen bestand darin, dass sie besonders empathisch waren, also sich in die Bewohner*Innen einfühlen konnten. So waren die Pfleger*Innen unmittelbar vom Leid ihrer Bewohner*Innen betroffen und durch die zusätzliche Entgrenzung aufgrund von Personalmangel stellten sich Erschöpfungszustände (z.B. Burnout) besonders schnell ein. Natürlich sind nicht alle Menschen im Dienstleistungssektor besonders sozial und empathisch. Trotzdem wird es einen großen Anteil von ihnen betreffen. Denn wenn man beruflich Menschen helfen möchte, bringt man in den meisten Fällen eine gewisse soziale Sensibilität mit, denke ich.

Nach diesem kleinen Exkurs will ich nur deutlich machen, dass Menschen mit hoher Sensibilität aufpassen sollten, wie stark beruflicher Stress sich auf andere Lebensbereiche auswirkt. Es gibt auch sehr viele Menschen auf Managementebene, die sehr entgrenzt sind. Ich persönlich achte jedenfalls darauf, dass ich eine berufliche Tätigkeit habe, bei der ich auch wirklich abschalten kann - sowohl mental, als auch analog.

Das bedeutet konkret:

- Diensthandy nach der Arbeit ausschalten

- im Feierabend/Urlaub niemals Arbeits-Emails checken

- auch im Homeoffice feste Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit ziehen

- kommunizieren, wenn ich mich entgrenzt fühle




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